Grundkurs Eis

 

Zweimal naß!
Grundkurs Eis am Sustenpass 

Ein kalter Wind zieht vom Berg herab. Wir ziehen uns Jacken über die verschwitzten Shirts. Der tosende Gletscherbach rauscht so laut, dass wir uns kaum mehr Unterhalten können. In abgestuften blautönen schimmert das blanke Eis im Gletschertor! Mit einem wirklich beeindruckenden Naturschauspiel werden wir auf dem Steingletscher empfangen!
Da es in der Schweiz, auch auf Grund des ungünstigen Wechselkurses derzeit so teuer ist, habe ich diese privat und natürlich auch für Sektionstouren bewusst vermieden. Doch die Steinlodge am Sustenpass ist nicht ganz unverschämt und es hätte auch die Möglichkeit gegeben sich selbst zu verpflegen. Als wir am Sustenpass einchecken sagt der Wirt anfangs nichts, aber er hört genau zu was wir sagen. Wir hätten einen schönen Dialekt, dann sind seine ersten Worte! Ein herzlicher Empfang!
Gleich am Donnertag gehen wir noch den kurzen Weg auf den Gletscher und beginnen mit der Ausbildung: Die ersten Schritte mit Steigeisen, wie wann wo anseilen, einen T-Anker graben, eine Eisschraube setzen.

Am Tag darauf wird das bereits gelernte verfestigt und die Sicherungstechnik im steilen Gelände im laufenden Seil geübt. Am Nachmittag üben wir noch die Spaltenbergung mit der losen Rolle an einer Firnkante. Beim Abstieg erwischt uns leider ein Regenschauer und wir werden sehr naß. Nach einer warmen Dusche beim leckeren und reichlichen Abendessen ist dies aber schnell wieder vergessen. Das Frühstücksbuffet ist mit Caotina, Ovomaltine zum Trinken und als Brotaufstrich und leckeren Käse typisch für die Schweiz. Natürlich ist alles ein wenig teuer, als wir es in Deutschland gewohnt sind, aber wir werden fair behandelt: Es wird bei der Abrechnung der richtige Wechselkurs verwendet und vor der Heimreise dürfen wir sogar noch die Dusche benützen. Soviel Gastfreundschaft gibt es in der Schweiz leider nicht überrall!

Am Samstag führt uns eine Übungstour, bei wieder hervorragenden Wetter auf den mittleren Tierberg (3.309 m). Nach einer weiteren Spaltenbergungsübung an einer echten Gletschespalte werden wir zweimal naß: Erst innerlich mit Kaffee und Bier auf der Terrasse der herrlich gelegenen Tierberglihütte und anschließend äußerlich bei den Bremsübungen im Firn.

Wir müssen leider langsam an die Heimreise denken und errinnern uns, dass wir zu Hause eine Hitzewelle haben. Aber am Sonntag gehen wir nocheinmal auf den auf den kühlenden Gletscher und üben das Bohren einer Eissanduhr und seilen uns ab. Die Kursteilnehmer haben immer wieder Details nachgefragt und waren so motiviert, dass ich den Kurs förmlich abbrechen musste. Jetzt gilt es das gelernte auf Touren selbständig zu üben! Die Grundlagen hierfür sind geschaffen und bei den tollen Bedingungen während des gesamten Kurses ist die Begeisterung für Hochtouren natürlich noch größer als diese ohnehin schon war!

Kursleitung, Fotos und Bericht: Stefan Stadler

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